Wunden II: Schusswunden

 

Im letzten Artikel plädierte ich ja für eine stärkere Beachtung der erlittenen Wunden. Diesmal möchte ich euch zeigen, was ein Treffer von einer Schusswaffe anrichten kann.
Diese Informationen können, im Spiel genutzt, den Kampf mit Schusswaffen wesentlich gefährlicher erscheinen lassen, da aus einem einfachen “Der Schuss trifft dich für 10 Schaden” eine exakte Beschreibung werden kann, was dem Charakter gerade widerfahren ist. Es wurde ja schon mehrfach Interesse bekundet, dass ich Beispiele zeige, wie man als Spielleiter mit verwundeten Charakteren umgeht. Dem Wunsch möchte ich dann auch nachkommen, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

 von Pascal Kamp

 

Eine der gängigsten Methoden zur Konfliktlösung in Rollenspielen ist wohl der Kampf. Und in der Gegenwart sind Schusswaffen in den meisten Situationen die effektivsten Werkzeuge im Kampf. Wenn also die Helden unserer Geschichte auf ihre Gegner treffen, wird die Luft nicht selten sehr bleihaltig. Aber allzu oft wird der Kampf als Würfelorgie abgehandelt und die Folgen werden auf das Abstreichen von Lebenspunkten beschränkt.
Doch kann man meiner Meinung nach Schusswechsel wesentlich spannender und realistischer wirken lassen, wenn die Folgen von gegnerischen Treffern nicht unter den Tisch fallen. Deshalb hier nun ein Artikel über die Gefährlichkeit von Schusswechseln:



Schusswunden unterteilt man in mehrere Arten, hier eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Streifschuss: Das Geschoss streift den Körper nur und reißt eine grabenförmige Wunde. Das Projektil dringt also nicht in den Körper ein und verursacht also auch keine weiteren Schäden.
  • Steckschuss: Das Projektil dringt in den Körper ein und bleibt dort stecken. Dabei wird das Gewebe zerstört, Knochen in der Schussbahn können zersplittern. Das Geschoss muss unbedingt entfernt werden, was in jedem Fall große Schmerzen mit sich bringt, wenn ein Unkundiger in der Wunde herumstochert.
  • Durchschuss: Häufig tritt das Geschoss wieder aus dem Körper aus, nachdem es diesen durchschlagen hat. Die Austrittswunde ist im Normalfall größer als die Eintrittswunde und hat unregelmäßige Ränder. Die Folgen entsprechen ansonsten dem Steckschuss.
  • Prellschuss: Gummigeschosse, wie die Polizei sie verwendet, dringen nicht in den Körper ein, sondern verursachen Quetschungen. Diese sind nicht immer zu sehen, können aber im Extremfall Knochenbrüche und Muskelrisse zur Folge haben.
  • Ringel- oder Konturschuss: Das Projektil wird an einer anatomischen Struktur entlanggeführtl (z. B. an der Rippe)
  • Winkelschuss: durch Auftreffen auf Körperknochen abgelenktes Projektil
  • Prallschuss: Das Projektil prallt von einem Gegenstand ab und trifft dadurch das Opfer. Dieses Phänomen wird auch als Auf- oder Querschläger bezeichnet und verursacht meist leichte Verletzungen oder wirkt wie ein Prellschuss.

Wie bereits erwähnt, muss das Projektil bei einem Steckschuss entfernt werden. Sollte dies nicht geschehen, können Entzündungen und Sepsis (Blutvergiftung) die Folge sein. Mit viel Glück kann ein regelmäßig geformtes Projektil im Körper einwachsen, ohne größere Probleme zu verursachen. Aber darauf sollte sich lieber kein Charakter verlassen! Knochensplitter und Kleidungsfetzen in der Wunde können zudem eitern. Im Idealfall sollte der Ersthelfer die Fremdkörper nicht selber entfernen, sondern die Wunde nur ordentlich verbinden. Aber leider ist es den Charakteren nicht immer möglich, rasch ein Krankenhaus oder einen kompetenten Arzt aufzusuchen und dann heißt es Zähne zusammen, Augen zu, und durch!

 

Wenn der Charakter nicht großes Pech hat, ist der Schuss nicht letal (tödlich). Tödlich wäre der Schuss meist dann, wenn das Opfer im Gesicht oder oberhalb des Plexus solaris (unter dem Brustbein) getroffen wird. Aber oft geschieht es, dass der Charakter durch einen Treffer einfach außer Gefecht gesetzt wird, da seine Lebenspunkte auf einen zu niedrigen Wert reduziert werden. Je nach Körperregion können nun verschiedene Verwundungen vorliegen, hier einige Beispiele:

 

Das Projektil kann die Lunge beschädigt haben, was zu Atemnot führt, aber nicht zwangsläufig zum Tod. Schnelle ärztliche Hilfe ist aber natürlich unerlässlich.

Magen, Leber oder Nieren können getroffen werden, was aufgrund der dort liegenden großen Blutgefäße sehr starke Blutungen verursacht und zu einem heftigen Schock führen.

Hüfte- und Beckentreffer können einen künstlichen Darmausgang ebenso notwendig machen wie eine aufwändige Hüftoperation.

Wenn Arme oder Beine getroffen werden, muss geprüft werden, wie stark de Nerven und Muskeln beschädigt wurden. Auch wenn kein Knochenbruch vorliegt, wird das Körperteil geschient.

Zudem hängt die Art der Wunde auch immer von der verwendeten Munition ab. So dringt Schrot nicht weit in den Körper ein, zerfetzt aber das Gewebe an der Oberfläche. 9mm Munition „taumelt“ im Körper, 38 special Munition, wie sie unter anderem das FBI verwendet, hinterlässt einen dünnen, geraden Schusskanal. Auch das Material des Geschosses trägt seinen Teil bei: Blei plattet im oder am Opfer ab, während Stahlmantelgeschosse ihn normalerweise durchdringen. Munition aus sehr alten Gewehren hinterlässt meistens einen Konturschuss, wird also an Knochen vorbeigelenkt.

Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass Feuergefechte eine verdammt riskante Art der Problemlösung darstellen. Hat ein Charakter großes Glück, wird er nicht getroffen, hat er ein wenig Glück, handelt es sich bloß um einen Streifschuss. Aber ebenso gut kann es ihn auch voll erwischen, wenn ein Projektil seinen Thorax oder seinen Kopf trifft. Dann ist er im Normalfall auf die schnelle Hilfe seiner Mitstreiter angewiesen. Sollte das Projektil nicht aus dem Körper ausgetreten sein, muss es auf jeden Fall zusammen mit den anderen Fremdkörpern in der Wunde entfernt werden.

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6 Kommentare

  1. Zwiebeltuete said,

    21 Juni, 2007 um 12:51 am

    Super!

    Allerdings bin ich mir nicht sicher folgende Saetze korrekt verstanden zu haben:
    „Wenn der Charakter nicht großes Pech hat, ist der Schuss nicht letal (tödlich). Dies ist meist dann der Fall, wenn das Opfer im Gesicht oder oberhalb des Plexus solaris (unter dem Brustbein) getroffen wird.“

    Das verstehe ich so, dass ein Schuss meist nicht letal ist, wenn man im Gesicht oder im Brustkorb getroffen wird. Das erscheint mir seltsam.

  2. Nitropenta said,

    21 Juni, 2007 um 10:12 am

    Der Satz ist missverständlich ausgedrückt. Paraphrasiert heißt es wohl, dass Schüsse im oberen Teil des Brustkorbs sowie im Kopf sehr oft sofort tödliche Wirkung tragen.

    Der Artikel gefällt mir ansonsten sehr gut 🙂 Sehr schön ausdetailliert. Mir fehlten höchstens ein oder zwei weiterführende Links…
    Allerdings zweifle ich die Angaben bei Arm- und Beintreffern. Wenn hier Arterien getroffen werden, müsste es doch ebenfalls sehr rasch zuende gehen, zumal diese teilweise recht schwer abzubinden sind. Oder liege ich falsch?

    Gruß, Nitropenta

  3. Pascal said,

    21 Juni, 2007 um 11:28 am

    Zunächst einmal natürlich vielen Dank für das Lob!

    Zu den Kopftreffern: Nitropenta hat es korrekt interpretiert, ist wirklich etwas verdreht. Werde ich editieren.

    Zu den Beintreffern: Richtig, das kann passieren, ist aber eher die Ausnahme. Gerade im Rollenspiel werden die Charaktere ja oft am Arm oder im Bein getroffen, wenn der Schaden gering ist und wenn es ein Volltreffer war, dann halt im Brustbereich oder am Kopf. Ich habe noch nie gehört, dass ein Charakter hart getroffen wurde und der SL dem Spieler mitteilte, dass er im Bein getroffen wurde. 😉
    Aber wie gesagt, du hast Recht, auch Schüsse in die Extremitäten können gefährlich werden, wenn Arterien getroffen werden.

  4. Pascal said,

    21 Juni, 2007 um 8:07 pm

    An dieser Stelle auch mal besten Dank an den „Rollenspiel Almanach“ für das regelmäßige Verlinken!

  5. Marc said,

    21 Juni, 2007 um 10:09 pm

    😀 Ja der Artikel gefällt mir. Einige Details mehr beim Schusswechsel können wirklich einiges Ausmachen.

    Schock beim Bauchschuss und viel Blut… Da fällt mir eine bestimmte Szene aus Reservoir Dogs ein^^

    Durfte mir selbst mal ein Bild von den verschiedenen Wunden von Schusswaffen machen, da mein Vater (KriPo) mir auf Aufforderung hin unschöne Fotos zeigte. Schrot klingt hier ein wenig harmlos. „So dringt Schrot nicht weit in den Körper ein, zerfetzt aber das Gewebe an der Oberfläche.“ Ich kann euch sagen eine Schrotladung ab zu bekommen, besonders wie eigendlich gedacht aus nächster Nähe (0-20 Meter), ist nicht schön. Nicht umsonst heißt es bei „Vampire“, dass Schusswaffen nict wirklich gefährlich sind, es sei denn es erwischt einen Kainiten mit na Ladung Schrot. Allein der Druck der dich trifft ist unglaublich. Und die Wunden die so etwas REIßT sind größer und tödlicher als man meint. Aber es stimmt schon, dass man nämlich allein schon durch das zerfetzte Gewebe leicht abkratzt…

    MfG Marc


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